Unternehmen im B2B-Handel müssen große Mengen an Produktinformationen zwischen unterschiedlichen Systemen austauschen. Hersteller liefern Daten an Händler, Händler an Marktplätze oder Einkaufssysteme. Ohne standardisierte Formate führt dieser Austausch häufig zu manueller Nachbearbeitung, Datenverlust oder Inkonsistenzen.
Ein wichtiger Standard zur Lösung dieses Problems ist BMEcat. Der Standard definiert ein strukturiertes Format für elektronische Produktkataloge und ermöglicht den automatisierten Austausch von Produktdaten zwischen verschiedenen IT-Systemen.
BMEcat hat sich besonders im deutschsprachigen Raum als Standard für den elektronischen Katalogaustausch etabliert und wird von vielen ERP-, PIM- und E-Procurement-Systemen unterstützt.
Was ist der BMEcat-Standard?
Der BMEcat-Standard ist ein XML-basiertes Austauschformat für elektronische Produktkataloge im B2B-Umfeld. Er definiert, wie Produktinformationen strukturiert dargestellt werden müssen, damit verschiedene Systeme diese automatisiert verarbeiten können.
Der Standard wurde vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) initiiert und gemeinsam mit Industrieunternehmen und Forschungseinrichtungen entwickelt. Weitere Informationen dazu findest du bei Wikipedia oder bei Mittelstand Digital.
Das zentrale Ziel von BMEcat besteht darin, den elektronischen Austausch von Produktkatalogen zwischen Lieferanten und Einkaufssystemen zu standardisieren. Dadurch können Unternehmen Produktdaten automatisiert übertragen und in ihren Systemen weiterverarbeiten.
Typische Daten, die über BMEcat übertragen werden, sind unter anderem Artikelnummern, Produktbeschreibungen, technische Merkmale, Preise, Lieferinformationen sowie Verweise auf Bilder oder Dokumente.
Hintergrund und Entwicklung des BMEcat-Standards
Die Entwicklung von BMEcat begann Ende der 1990er Jahre, als Unternehmen zunehmend elektronische Beschaffungsprozesse einführten. Zu dieser Zeit existierten bereits digitale Produktkataloge, allerdings fehlte ein einheitlicher Standard für den Austausch dieser Daten.
Der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik startete deshalb eine Initiative zur Entwicklung eines standardisierten Katalogformats. Beteiligt waren unter anderem Unternehmen aus Industrie und Softwareentwicklung sowie Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut.
Die wichtigsten Versionen des Standards sind in der folgenden Übersicht dargestellt:
| Version | Veröffentlichung | Bedeutung |
|---|---|---|
| BMEcat 1.0 | 1999 | erste Version des Standards |
| BMEcat 1.2 | 2001 | Erweiterungen für Klassifikationen |
| BMEcat 2005 | 2005 | Erweiterungen für komplexe Produkt- und Preisstrukturen |
In der Praxis werden heute vor allem BMEcat 1.2 und BMEcat 2005 eingesetzt.
Technische Grundlage: BMEcat und XML
Der BMEcat-Standard basiert auf XML (Extensible Markup Language). XML ist eine strukturierte Auszeichnungssprache, mit der Daten klar definiert und maschinenlesbar gespeichert werden können. Durch XML können Systeme Daten automatisch interpretieren, importieren und validieren.
Ein stark vereinfachtes Beispiel eines BMEcat-Eintrags sieht so aus:
<PRODUCT> <PRODUCT_ID>12345</PRODUCT_ID> <PRODUCT_NAME>Industriebohrer 10 mm</PRODUCT_NAME> <DESCRIPTION_SHORT>Bohrer für Metall</DESCRIPTION_SHORT> <PRICE_AMOUNT>12.50</PRICE_AMOUNT> </PRODUCT>
In realen Katalogen sind die Strukturen deutlich umfangreicher und enthalten zahlreiche weitere Felder für technische Merkmale, Logistikdaten oder Klassifikationen.

Aufbau eines BMEcat-Katalogs
Ein BMEcat-Dokument folgt einer klar definierten Struktur. Diese Struktur sorgt dafür, dass Systeme die enthaltenen Informationen eindeutig interpretieren können.
Header
Der Header enthält Metadaten über den gesamten Katalog. Dazu gehören beispielsweise der Name des Katalogs, die Sprache, die verwendete Währung sowie Informationen zum Lieferanten und zum Empfänger des Katalogs.
Außerdem können Angaben zum Erstellungsdatum oder zur Gültigkeit des Katalogs enthalten sein. Diese Informationen helfen den empfangenden Systemen dabei, den Katalog korrekt einzuordnen.
Produktinformationen
Der Hauptteil eines BMEcat-Dokuments enthält die eigentlichen Produktdaten.
| Kategorie | Beispiele |
|---|---|
| Produktidentifikation | Artikelnummer, Hersteller-ID |
| Skalierbarkeit | Wachstum ohne Systemwechsel |
| Produktbeschreibung | Produktname, Kurzbeschreibung, Langtext |
| Preisinformationen | Einzelpreis, Staffelpreise |
| Logistikdaten | Verpackungseinheiten, Lieferzeiten |
| technische Merkmale | Material, Maße, technische Eigenschaften |
Je nach Branche können zusätzliche Felder ergänzt werden.
Multimediadaten
Neben strukturierten Produktinformationen können auch zusätzliche Inhalte übertragen werden, beispielsweise Produktbilder, technische Datenblätter, Montageanleitungen oder Zertifikate. Diese Inhalte werden im BMEcat-Katalog in der Regel als Referenzen hinterlegt.
Schema: Aufbau eines BMEcat-Katalogs
Ein BMEcat-Katalog folgt einer klar definierten XML-Struktur, die sich vereinfacht wie folgt darstellen lässt:
BMECAT
│
├── HEADER
│ ├── Catalog Information
│ ├── Supplier Information
│ └── Buyer Information
│
├── CATALOG STRUCTURE
│ ├── Product Categories
│ └── Classification References
│
├── PRODUCT
│ ├── Product Identification
│ ├── Product Description
│ ├── Product Features
│ ├── Prices
│ ├── Logistics Data
│ └── Multimedia References
│
└── USER_DEFINED_EXTENSIONS
└── Optional custom attributesDie wichtigsten Elemente lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
| Bereich | Inhalt |
|---|---|
| HEADER | Metadaten zum Katalog, Lieferant, Sprache, Währung |
| CATALOG STRUCTURE | Kategorien und Klassifikationssysteme |
| PRODUCT | eigentliche Produktdaten |
| USER_DEFINED_EXTENSIONS | zusätzliche, kundenspezifische Felder |
Diese Struktur ermöglicht es, komplette Produktkataloge in einer einzigen Datei zu übertragen.

BMEcat im Zusammenspiel mit Klassifikationen
Der BMEcat-Standard beschreibt primär die Struktur eines Produktkatalogs, nicht jedoch die semantische Klassifikation von Produkten. Für die Einordnung von Produkten werden daher häufig zusätzliche Klassifikationssysteme verwendet.
Zu den wichtigsten Klassifikationen gehören:
| Klassifikation | Einsatzbereich |
|---|---|
| ECLASS (eCl@ss) | branchenübergreifende Produktklassifikation |
| ETIM | Elektrotechnik und technische Produkte |
| UNSPSC | internationales Klassifikationssystem für Beschaffung |
Durch die Kombination von BMEcat mit solchen Klassifikationen können Produkte eindeutig beschrieben und systemübergreifend identifiziert werden. Weitere Informationen dazu findest du in unseren Artikeln zu ECLASS und ETIM.
Die Klassifikation wird im BMEcat-Katalog meist über entsprechende Referenzen hinterlegt. Dadurch können Systeme Produkte automatisch kategorisieren und vergleichen.
BMEcat vs. ECLASS vs. ETIM – Unterschiede der Standards
BMEcat wird häufig gemeinsam mit Klassifikationsstandards wie ECLASS (eCl@ss) oder ETIM eingesetzt. Dabei erfüllen die Standards unterschiedliche Aufgaben im Produktdatenmanagement.
Während BMEcat den Austausch von Produktkatalogen beschreibt, definieren ECLASS und ETIM die Klassifikation und Struktur technischer Merkmale von Produkten.
| Standard | Typ | Zweck | Beispiel |
|---|---|---|---|
| BMEcat | Datenaustauschformat | Übertragung kompletter Produktkataloge | Katalogexport eines Herstellers |
| ECLASS (eCl@ss) | Klassifikationsstandard | strukturierte Produktklassifikation | Einordnung technischer Produkte |
| ETIM | Klassifikationsstandard | standardisierte Produktmerkmale | Elektrotechnik-Produkte |
Ein typisches Szenario sieht folgendermaßen aus:
Ein Hersteller erstellt seinen Produktkatalog im BMEcat-Format. Innerhalb dieses Katalogs werden Produkte mit einer ECLASS- oder ETIM-Klassifikation versehen. Das Einkaufssystem eines Händlers kann dadurch nicht nur den Katalog importieren, sondern Produkte automatisch kategorisieren und technische Merkmale vergleichen.
Typische Einsatzbereiche von BMEcat
Der BMEcat-Standard wird vor allem im B2B-Umfeld eingesetzt, in dem große Produktkataloge regelmäßig zwischen Unternehmen ausgetauscht werden.
E-Procurement
Viele Unternehmen nutzen elektronische Beschaffungssysteme. Lieferanten stellen ihre Produktkataloge im BMEcat-Format bereit, sodass diese automatisch in das Einkaufssystem importiert werden können. Einkäufer können anschließend direkt aus diesen elektronischen Katalogen bestellen.
B2B-Marktplätze
Auch B2B-Marktplätze nutzen BMEcat häufig als Importformat für Produktdaten. Händler können ihre Produktkataloge standardisiert bereitstellen, sodass Marktplätze die Daten automatisiert integrieren können.
PIM- und ERP-Systeme
Produktinformationsmanagement-Systeme (PIM) und ERP-Systeme verwenden BMEcat häufig als Austauschformat für Produktdaten.
Typische Herausforderungen bei BMEcat-Daten
Obwohl BMEcat einen klar definierten Standard darstellt, entstehen in der Praxis häufig Herausforderungen bei der Erstellung oder Verarbeitung von BMEcat-Katalogen.
Ein häufiger Grund dafür ist, dass der Standard zwar die Struktur vorgibt, jedoch viele Felder optional sind. Unternehmen interpretieren diese Felder teilweise unterschiedlich oder verwenden individuelle Erweiterungen.
| Herausforderung | Beschreibung |
|---|---|
| inkonsistente Produktattribute | unterschiedliche Bezeichnungen für die selben Merkmale |
| fehlende Klassifikation | Produkte sind nicht mit ECLASS oder ETIM klassifiziert |
| unvollständige Daten | fehlende technische Merkmale oder Beschreibungen |
| individuelle Erweiterungen | zusätzliche Felder außerhalb des Standards |
| unterschiedliche BMEcat-Versionen | z.B. Mischung aus BMEcat 1.2 und BMEcat 2005 |
Diese Herausforderungen führen häufig dazu, dass importierte Kataloge zunächst normalisiert, strukturiert oder angereichert werden müssen, bevor sie in Zielsystemen genutzt werden können.
Warum Datenaufbereitung so wichtig ist, erfährst du übrigens in unseren Artikeln Datenaufbereitung einfach erklärt und Datenqualität: Definition, Konsistenz und Datenintegrität in der Praxis für Unternehmen.
BMEcat und Product Information Management (PIM)
In vielen Unternehmen ist BMEcat eng mit Product Information Management (PIM) verbunden. PIM-Systeme dienen dazu, Produktdaten zentral zu verwalten, zu strukturieren und für verschiedene Kanäle bereitzustellen.
Ein typischer Prozess sieht folgendermaßen aus:
Das BMEcat-Format dient in diesem Prozess häufig als Export- oder Austauschformat, um Produktkataloge an Partnerunternehmen oder Einkaufssysteme zu übertragen.
Bedeutung von BMEcat für moderne Produktdatenprozesse
Mit der zunehmenden Digitalisierung von Lieferketten und Beschaffungsprozessen gewinnt der strukturierte Austausch von Produktdaten immer mehr an Bedeutung.
Standards wie BMEcat spielen dabei eine zentrale Rolle, weil sie eine gemeinsame technische Grundlage für den Datenaustausch zwischen Unternehmen schaffen.
In Kombination mit Klassifikationen wie ECLASS oder ETIM sowie mit PIM-Systemen entsteht eine Infrastruktur, die es Unternehmen ermöglicht, Produktdaten effizient zu verwalten, auszutauschen und weiterzuverarbeiten.
Gerade im B2B-Umfeld mit großen Produktkatalogen bildet BMEcat daher häufig einen wichtigen Baustein für skalierbare Datenprozesse und automatisierte Beschaffungssysteme.

Produktdaten automatisiert für BMEcat aufbereiten
In der Praxis liegen Produktdaten häufig in unterschiedlichen Formaten vor – etwa in Excel-Dateien, ERP-Systemen oder Datenbanken. Bevor diese Daten in einen BMEcat-Katalog exportiert werden können, müssen sie meist zunächst strukturiert, normalisiert und angereichert werden.
Genau hier setzt DataNaicer an.
DataNaicer ist eine Softwarelösung zur automatisierten Aufbereitung von Produktdaten. Sie unterstützt Unternehmen dabei, vorhandene Datenquellen zu analysieren, Produktattribute zu strukturieren und fehlende Informationen zu ergänzen. Ziel ist es, Produktdaten so aufzubereiten, dass sie konsistent und standardisiert weiterverwendet werden können.
Im Kontext von BMEcat bedeutet das beispielsweise:
Dadurch lassen sich Produktdaten effizient in eine Struktur überführen, die anschließend für BMEcat-Exporte oder andere Austauschformate genutzt werden kann.
Wenn du prüfen möchtest, wie deine Produktdaten automatisiert strukturiert und für Standards wie BMEcat vorbereitet werden können, kannst du DataNaicer für 100 Datensätze kostenlos testen!
Fazit
Der BMEcat-Standard ist ein etabliertes Format für den Austausch elektronischer Produktkataloge im B2B-Handel. Durch seine XML-basierte Struktur ermöglicht er einen automatisierten Datenaustausch zwischen Herstellern, Händlern, Marktplätzen und Einkaufssystemen.
Der Standard unterstützt nicht nur grundlegende Produktinformationen, sondern auch technische Merkmale, Preisstrukturen, Multimediadaten und Klassifikationen. Dadurch lassen sich vollständige Produktkataloge systemübergreifend übertragen.
Für Unternehmen, die große Mengen an Produktdaten verwalten oder regelmäßig mit Partnern austauschen, bildet BMEcat eine wichtige Grundlage für effiziente und skalierbare Datenprozesse.
Der DataNaicer kann Unternehmen außerdem dabei unterstützen, ihre Daten für BMEcat aufzubereiten, damit sie für die Zukunft gut aufgestellt sind.
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